GenIuS

GenIuS – Gender, Identität, Subjekt

Die Bedeutung der Kategorie Geschlecht für den politischen Raum in der römischen Kaiserzeit

Die soziopolitische Ordnung des römischen Kaiserreiches bestand aus zahllosen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Elementen, die in ihrer singulärem Konstellation die Lebenswelt aller Menschen im Wirkungskreis Roms ganz wesentlich bestimmten. Die Auflösung dieses Beziehungsgeflechtes unter variierenden historischen Fragestellungen ist der Schlüssel zum Verständnis wesentlicher Funktionsparameter, Gestaltungsmechanismen und Wirkungsgrößen des Imperium Romanum. Zur Bewältigung dieser Aufgabe stehen den klassischen Altertumswissenschaften unterschiedliche Lösungsansätze zur Verfügung, deren Anwendung in den vergangenen Jahrzehnten intensiv erprobt wurde. Dies hat jedoch deutlich machen können, dass alle Konzepte ohne die Einbeziehung des Faktors Geschlecht die gesellschaftliche und politische Komplexität der römischen Kaiserzeit letztlich stets nur bis zu einem gewissen Grad zu erfassen und abzubilden vermögen.

Die Erforschung des Faktors Geschlecht im Kontext einer aufeinander bezogenen und miteinander verbundenen Existenz beider Geschlechter – eben nicht nur Frauen- oder Männerforschung – ermöglicht es, neue Perspektiven einzunehmen sowie weiterführende historische Fragestellungen zu bearbeiten, um so zu einem besseren Verständnis der zentralen Sozialkategorie Geschlecht und ihrer lebenspraktischen Relevanz zu gelangen. Im Mittelpunkt der Forschungsinteressen des GenIuS-Projektes stehen dabei insbesondere Fragen nach den konstituierenden Werten und dem normativen Beziehungsrahmen der maßgeblichen Handlungsakteure, welche die kaiserzeitliche Gesellschaft im Allgemeinen wie auch das zeitgenössische Geschlechterverhältnis im Speziellen grundlegend strukturierten.

Ein wesentliches Kennzeichen des Projektes ist neben der Forschungsthematik vor allen Dingen die Einordnung in ein größeres Forschungskonzept zur Untersuchung der polymorphen Dimensionen der Kategorie Geschlecht in der Antike. Die Komplexität des Forschungsfeldes in seiner diachronen Tiefe und synchronen Breite kann dabei nicht alleine mit den traditionellen Methoden und Analysemodellen einzelner Fachdisziplinen erfolgversprechend bewältigt werden. Mit dem Ziel der Bündelung interdisziplinärer und internationaler Ressourcen arbeiten daher Forscher/innen mit unterschiedlichen Spezialgebieten zusammen, um gemeinsam traditionelle Denkmuster einzelner Disziplinen zu hinterfragen, aufzubrechen und innovative Methoden der Gender-Studies zu entwickeln.

Die Ergebnisse wurden im Juli 2012 auf der GenIuS-Tagung vorgestellt.

 

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