Robert Eydam

Die Apocolocyntosis divi Claudii als Beitrag zur Konsensbildung über den ‚guten‘ princeps (Robert Eydam)

Im letzten Drittel des 1. Jhs. v. Chr. erlebte das römische Reich eine grundlegende Transformation. Aus der oligarchisch geführten Republik wurde eine Monarchie, die dem Reich neue Stabilität verlieh. Seit Generationen ist eine der zentralen Fragen der Altertumsforschung diejenige nach der Gestalt dieser neuen Ordnung und nach deren stabilisierenden Faktoren. Im Rahmen der so genannten Akzeptanztheorie wurde besonders auf die Bedeutung von Kommunikation und Konsensfindung hingewiesen, die nötig war, um die Position des princeps insbesondere gegenüber den Eliten des Reiches zu sichern. Zu diesem Zweck war immer wieder die Kommunikation zwischen den principes und den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen des Reiches Gegenstand der Forschung. Das Promotionsprojekt soll daher an einem anderen Punkt dieser Kommunikationssituation ansetzen.

Es soll betrachtet werden, welche Anforderungen die unterschiedlichen Gruppen an das System und an die Person des Herrschers stellten. Unter Zuhilfenahme kulturwissenschaftlicher Methoden soll die Funktion der Erinnerungskultur innerhalb der beschriebenen Kommunikation über diese Anforderungen untersucht werden. Die Darstellung insbesondere bereits verstorbener Herrscher bot der Elite eine vergleichsweise gefahrlose Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen von einem idealen Herrscher zu formulieren, indem man den Verstorbenen als positives oder negatives Beispiel hervorhob.

Gegenstand der Untersuchung soll das Bild des Claudius in den Quellen sein. Dieses zeichnet sich vor allem aufgrund der auf ihn gemünzten Satire Apocolocyntosis durch eine sehr gut greifbare Einseitigkeit aus. Speziell negative Zuschreibungen und Darstellungen lassen sich an diesem Kaiser demnach besonders deutlich erkennen und herausarbeiten. Beispielhaft soll am antiken Claudiusbild die Funktion negativer Darstellung in der römischen Erinnerungskultur gezeigt werden und ihre Bedeutung für die Konsensfindung über den guten Herrscher herausgearbeitet werden.