Kroatien 2005

Dalmatien von der Antike bis zur Gegenwart

Kroatien-Exkursion vom 15. – 22. Oktober 2005

Am 15. Oktober 2005 machte sich eine neugierige Gruppe von 23 Darmstädter Geschichtsstudenten mit dem (Linien-) Bus auf den langen Weg zur kroatischen Adriaküste. Wir waren alle sehr gespannt, was uns dort wohl erwarten würde, denn wir waren aufgebrochen um ein fremdes Gebiet mit seinen Menschen kennen zu lernen – und natürlich auch die Studenten mit denen wir reisten. Ein erstes kleines Highlight war der nächtliche Zwischenstopp an der slowenischen Grenze: Es war so nebelig, sodass wir die eigene Hand vor Augen kaum sehen konnten.

Am nächsten Morgen wurden wir von unserer „Fremdenführerin“ Verica freundlich in Zadar (röm. Iader), das für die kommenden Tage unser Hauptstandort sein sollte, in Empfang genommen. Zu unserer Freude befand sich unsere Unterkunft direkt am Meer; so konnten wir während unseres Aufenthaltes den Blick auf die vorgelagerten Inseln sowie die noch kräftig scheinende Oktobersonne genießen – die Bucht war wirklich traumhaft. Am nächsten Tag erkundeten wir dann die Stadt. Die ursprünglich illyrische Siedlung wurde in der Mitte des 2. Jahrhunderts v.Chr. von den Römern erobert – im Stadtbild sind bis heute Spuren der Eroberung und anschließenden Besiedlung durch Römer sichtbar. Während unserer Führung durch die Stadt sahen wir unter anderem das Forum, die Basilika, eines der römischen Stadttore, eine sehr gut erhaltene römische Wasserleitung, das mittelalterliche Kastell und verschiedene zu späterer Zeit entstandene Kirchen. Nach Abschluss der Besichtigung entspannte die Exkursionsgruppe ein wenig an der sogenannten Meerorgel, eine wirklich einzigartige Konstruktion, die durch die brechenden Wellen immer wieder neue harmonische Töne zu erzeugen vermochte. Ein Schauspiel, von dem alle Exkursionsteilnehmer stark beeindruckt und fasziniert waren.

Am nächsten Tag erkundeten wir Sibenik und Trogir. Für den 18. Oktober war ein Besuch des Archäologischen Museums in Zadar geplant. Hier begeisterte sich die Gruppe besonders an einer ausgestellten Statue des Kaisers Augustus, eines der am besten erhaltenen Exemplare der Mittelmeerwelt. Am Nachmittag fuhren wir nach Asseria. Dort konnten wir vor Ort direkt die Arbeiten an einer aktuellen Ausgrabung bestaunen, die hauptsächlich von den Studenten der Universität Zadar betrieben wurden, die diese Ausgrabung – quasi als Pflichtpraktikum in ihrem Studium – im zweiten und dritten Studienjahr durchführen. Das Ausmaß der Ausgrabungsstätte war enorm, da es an dieser Stelle gelingen konnte die Überreste einer antiken römischen Stadt freizulegen. Monumental und wirklich atemberaubend war die gewaltige Stadtmauer, die sich bis zu acht Meter in die Höhe erstreckte.

Am Mittwoch ging die Fahrt dann nach Split (griech. Aspalathos, röm. Spalatus) und wir trafen uns dort mit einem der führenden kroatischen Archäologen, Prof. Dr. Cambi. Zunächst bekamen wir eine Führung durch das dortige Archäologische Museum, in dem Prof. Dr. Cambi viele Jahre lang leitend tätig war, und das eine Fülle an einzigartigen Funden beherbergt. Danach machten wir uns auf den Weg in die mittelalterliche Altstadt, welche sich primär im Inneren des Diokletianspalastes – ein spätantikes Bauwerk von unglaublicher Monumentalität und Kunstfertigkeit – ausgebreitet hat. Das in der Nähe gelegene Solin (röm. Salona) konnten wir uns nicht natürlich auch nicht entgehen lassen. Auch hier wurden wir fachkundig von Prof. Dr. Cambi durch die Stadtanlage mit dem Forum, dem Amphitheater, dem zugehörigen Aquädukt, den frühchristliche Basiliken und den der Stadt vorgelagerten Nekropolen geführt. Nach diesem anstrengenden Tag trafen wir uns alle in einem am Meer gelegenen Restaurant und genossen gemeinsam das Abendessen. Das allabendliche Zusammensein sowie die gute kroatische Küche mit den frischen Fischgerichten wurden von jedermann sehr geschätzt. Am nächsten Tag besichtigten wir noch Nin (röm. Aenona).

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes besuchten wir schließlich die direkt an der Strandpromenade gelegene Universität von Zadar, von der wir schon so viel gehört hatten. Hier wurden wir durch das archäologische Institut geführt und konnten so einen kleinen Einblick in die dortigen Arbeiten erhalten. Besonders beeindruckend und motivierend wirkten dabei die aufgrund des akuten Platzmangels in den Seminar- und Vorlesungssälen (alle mit Meerblick) ausgestellten Grabungsfunde. Durch ein anschließendes sehr aufschlussreiches Gespräch mit den Studenten konnten wir uns auch ein Bild von der jüngsten Geschichte Kroatiens machen und feststellen, dass die noch gar nicht so lange zurückliegenden Kriegsereignisse noch starke Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen haben. Abends konnten wir uns dann auch noch einmal von der Gastfreundschaft der Kroaten überzeugen. Einige Archäologiestudenten hatten sich mit uns verabredet und zeigten uns das Nachtleben in Zadar. Dabei konnten wir feststellen, dass die traditionelle Folklore, in Form von trachtentragenden Hornbläsern, durchaus mit der aktuellen Musik zu verbinden ist. Völlig geschafft und vollgepackt mit sehr vielen neuen und interessanten Eindrücken traten wir dann mit dem Gefühl, dass sich die Tage – und auch die Mühen – wirklich gelohnt hatten, die anderthalbtätige Heimreise nach Darmstadt an.

Anett Rohne