Griechenland 2006

Auch wir in Arkadien!

Griechenland-Exkursion vom 03. bis 19. September 2006

Am Abend des 03. Septembers 2006 machten sich 15 neugierige Menschen in zwei Kleinbussen auf, die griechische Antike zu entdecken. Wir alle waren sehr gespannt was wir sehen würden,da neben uns unbekannten Orten auch echte Highlights wie Korinth, Olympia und Delphi auf dem Plan standen. Außerdem stellte es eine Herausforderung dar, zwei Wochen mit uns teilweise völlig fremden Menschen zu verbringen – eine Erfahrung, die uns alle geprägt hat!

Zunächst ging es mit den Kleinbussen nach Ancona in Italien, von wo aus wir über Nacht mit der Fähre Richtung Griechenland reisten und am nächsten Morgen in Igoumenitsa ankamen. Auf dem Weg zu unserem Quartier führte uns die erste Station in das Nekromanteion in Éphyra. Im Anschluss an diese Besichtigung bezogen wir drei Tage Quartier in einer schönen Unterkunft auf der Insel Lefkas, von wo aus wir uns nach dem täglich gemeinsamen Frühstück in unserem Pavillon im Freien aufmachten, die griechische Kultur zu erforschen. Wir standen am Ufer des heute brach liegenden und scheinbar vergessenen Schauplatzes der Schlacht von Actium (31.v.Chr.), besuchten die römische und byzantinische Stadtanlage von Nikópolis mit dem dazu gehörigen Augustus-Denkmal und vergegenwärtigten uns in Dodóna den Sitz der Götter. Darauf folgend besuchten wir die antike Stadtanlage von Kassópe, die mittlerweile von einheimischen Ziegen okkupiert wurde. Am fünften Tag verließen wir die Insel in Richtung unseres nächsten und letzten Quartieres in Egio nahe Patras auf dem Peloponnes. Auf dem Weg dorthin trafen wir uns auf der Halbinsel Plagia mit Frau Prof. Dr. Lang vom Fachgebiet Klassischen Archäologie in Darmstadt, welche uns in ihrer Ausgrabungsstätte des antiken Pálairos herumführte. Bei der langen und schweißtreibenden Begehung fand eine von uns sogar eine antike Gürtelschnalle auf dem Boden, welche Prof. Dr. Lang zwecks Katalogisierung gleich mitnahm.

Unsere neue Unterkunft in Egio bot uns einen wunderschönen Garten und lag direkt am Meer des Golfs von Korinth, was wir am Ende der ereignisreichen und anstrengenden Tage so oft wie möglich ausnutzten. Auch wenn die verschiedenen Zimmer und Bungalows auf den ersten Blick eher an einen Abenteuerurlaub erinnerten, überwogen die positiven Eindrücke des Tages. Das gemeinsame, von uns selbst organisierte Frühstück im Garten – aus welchem wir uns mit Trauben und Granatäpfeln versorgen durften – war ein motivierender Start in den Tag. So gerüstet konnten wir uns aufmachen Griechenland zu bestaunen, das entgegen mancher Vermutung nicht nur über herumliegende Steine verfügt, sondern bei genauerer Betrachtung historischer Zeugnisse einen Einblick in faszinierende Epochen preisgibt. Wir betrachteten die Apollon-Heiligtümer in Kalydón und Thérmos sowie die hellenistischen Stadtbefestigungen in Pleurón und Oiniádai. Den siebten Tag widmeten wir dem antiken Korinth und beeilten uns die Festung des nahe gelegenen Akrokorinth zu erobern, bevor die Wärter die Tore schlossen. Nach einem wohlverdienten Ruhetag ließen wir uns im Stadion des antiken Olympia die Anfänge und Hintergründe der noch heute ereignisreichen Olympischen Spiele näher bringen – wobei es sich einer der Referenten nicht nehmen ließ, ummantelt von der Hellas-Flagge einen Spurt auf der antiken Laufbahn hinzulegen. Neben solchen Referaten speziell zu bestimmten Orten, wurden auch historische und kulturgeschichtliche Überblicke oder strukturelle Themen, beispielsweise zu antiken Befestigungsanlagen oder Tempeln, vorgetragen. Ebenso kamen wir jeden Morgen zur Einstimmung auf den Tag und die zu besuchenden Orte in den Genuss eines Gedichts beispielsweise von Sappho oder einer Passage aus einem Buch über Griechenland, vorgetragen von Prof. Dr. Stahl. Doch war diese Exkursion nicht nur von Referaten oder Monologen bestimmt, auch lebhafte Diskussionen und stillschweigender Genuss begleiteten uns auf dieser Reise. So bestaunten wir in Bássae schweigsam den sehr gut erhaltenen Apollon-Tempel und durften von Agamemnons Mykene aus den weiten Blick über die Landschaft genießen. In Epidáuros lauschten wir schließlich im gut erhaltenen Halbrund einer von Prof. Dr. Stahl und zwei Exkursionsteilnehmern vorbereiteten Szene aus der „Orestie“ des Aischylos, wobei wir einen Eindruck der guten Akustik eines antiken Theaters erhielten. Am letzten Tag besuchten wir ein byzantinisches Kloster in Osios Lukas, bevor wir mit dem antiken Delphi die Exkursion thematisch beendeten.

Wir erlebten auf dieser Exkursion so manche Highlights: Die zerklüftete Berglandschaft und das in der warmen Sonne glitzernde tiefblaue Meer schufen eine atemberaubende Atmosphäre. Die teils gar nicht vorhandenen, teils merkwürdigen Verkehrsschilder und dazugehörigen Kilometerangaben, oder dass sich aus eben diesem Grund eine kleine Gruppe von uns Nachts verfahren und beinahe den Heimweg nicht mehr gefunden hätte, versetzten uns zusätzlich ins Staunen. Auch die Einheimischen, die wir dank unseres griechisch sprechenden Begleiters nach „dem Weg“ fragen konnten, schickten uns mal in die eine, dann wieder in die entgegengesetzte Richtung, sodass man sich häufig wie Odysseus auf seinen Irrfahrten vorkam. Doch als wir am 14. Tag Griechenland Richtung Heimat verließen, haben wir nicht nur einen unvergesslichen Eindruck der antiken und heutigen griechischen Kultur erhalten, was unser persönliches und wissenschaftliches Interesse nur noch verstärkt hat, nicht nur verstanden was ein Geschichtsstudium bedeuten kann, sondern auch neue Freunde gefunden.

Frauke Hutmacher