Italien 2008

La dolce vita !?

Italien-Exkursion vom 30. August – 14. September 2008 (Kampanien und Latium)

Die offizielle Exkursion des Instituts für Geschichte wurde in diesem Jahr vom Fachgebiet Alte Geschichte ausgerichtet und führte 21 Studenten unter der Leitung von Herrn Page in die italienischen Regionen von Kampanien und Latium. Mit drei Kleinbussen machte sich die Gruppe von Darmstadt aus auf, in einer zweiwöchigen Rundreise die Spuren der griechischen und römischen Kultur in Italien zu entdecken. Neben beeindruckenden antiken Ruinen, lernten wir auf einer abenteuerlich anmutenden Odyssee auch weniger romantische, moderne Ruinen Italiens kennen und eine landeseigentümliche Zwiespältigkeit, die ihresgleichen sucht.

Zunächst führte uns unser Weg nach Paestum, wo wir staunend vor den besterhaltensten griechischen Tempelanlagen standen, welche nachts noch viel beeindruckender waren als tagsüber. In Velia hat uns die Stadtanlage des antiken Eleas einen ganzen Tag lang beschäftigt, teils mit der Suche nach dem nur durch verschlungene Pfade im Gestrüpp erreichbaren Nordtor (Porta Rosa), teils mit mathematischen Übungen, die uns der Referent zur griechischen Philosophie stellte. Untergebracht waren wir in Paestum in einem schönen Hotel mit Strand, den wir so oft wie möglich besuchten.

Weiter ging es am vierten Tag Richtung Pompeji zu unserer zweiten Unterkunft. Der Weg führte uns über kurvenreiche Bergstraßen nach Ravello und schließlich ins Land am Fuße des Vesuvs, der uns Tage lang begleiten sollte. Eine erwähnenswerte Station in Ravello, die absolut empfehlenswert ist, war die Villa Cimbrone. Von einem Balkon im Park aus, hat man den schönsten Ausblick über die Küste von Amalfi. Doch wurden wir jäh aus den dortigen Träumereien gerissen, als wir in Pompeji ankamen. Die Gegend war voll von Verkehr, recht kreativen Müllentsorgungsideen, Mücken und einem ständigen Gestank, der – nicht eindeutig zu verorten – wohl aus einer Mischung von Müll, dessen Verbrennungsgeruch und dem Schwefel des Vulkans bestand. An diesem Ort erfuhren wir viele Schattenseiten der Exkursion, die von Sprachbarrieren über eine gewöhnungsbedürftige Fahrweise der Italiener bis hin zu dem Schock über die Missachtung von Kulturgut reichten. Fassungslos standen wir vor etlichen Müllbergen und in der antiken Anlage von Pompeji, deren Zustand aufgrund des unachtsamen Massentourismus katastrophal ist.

Der Ausgrabungsstätte von Pompeji widmeten wir zwei ganze Tage, die thematisch in öffentliche und private Bauten unterteilt waren. Dennoch hat man im Nachgang das Gefühl nicht alles gesehen und mitgenommen zu haben. Ein Eindruck bleibt allerdings lange haften: Es ist sehr schade, wie die Italiener mit den Zeugnissen ihrer langen und beeindruckenden Geschichte umgehen. Wo einst die Bewohner Pompejis ihrem Tagesgeschäft nachgingen und sich auf dem Forum trafen, lungern heute Straßenköter herum. Diese suchten wir am siebten Tag in der Ausgrabungsstätte von Herkulaneum vergeblich. Überhaupt erinnerte uns die dortige strenge Handhabung der einzelnen Besuchergruppen eher an deutsche Bürokratie als an italienische Gelassenheit. Doch in den Überresten konnten wir den antiken Unterschied zwischen der Handelsstadt Pompeji und dem mondänen Örtchen Herkulaneum auch jetzt noch ausmachen. Und spätestens bei dem Referat zum Ausbruch des Vesuvs 79 n.Chr. und zu den Folgen für die damals lebenden Menschen wurde der Gruppe im Angesicht des schlummernden Berges bewusst, dass es eine Katastrophe war, die uns heute so wertvolle Zeugnisse hinterlassen hat. Um so erschreckender ist es, dass diese Stätten in unserer Zeit erneut untergehen und wir nichts dagegen unternehmen. Am achten Tag fuhren wir von unserer Unterkunft aus mit dem Zug nach Neapel und Pozzuoli (Puteoli). In Neapel besichtigten wir die weltweit einzigartigen Exponate im Archäologische Nationalmuseum und in Pozzuoli ein sehr gut erhaltenes Amphitheater, in welchem vor allem der Rundgang unterhalb der Ränge einen schönen Einblick in die Architektur eines Amphitheaters eröffnete.

Der neunte Tag führte uns über Capua zu unserer dritten Unterkunft nach Terracina und damit in ein sehr beschauliches Örtchen, wo wir jeden Morgen unseren Cappuccino auf dem Marktplatz – und damit auf dem antiken Forum – unweit der unglaublich gut erhaltenen Reste der Via Appia tranken. Überhaupt spürte jeder von uns, dass wir uns nun nicht länger in Kampanien sondern in der Region Latium aufhielten. Nicht nur, dass die einzelnen Orte sauber waren und es zudem ausreichend Mülleimer gab, auch die Menschen schienen von einem ganz anderen Schlag zu sein als in Kampanien. Über diesen Eindruck diskutierten wir unter anderem bei den Referaten zum Thema Mafia und Mezzogiorno-Problem und es war interessant, von dieser Problematik des Landes nicht nur durch ein Referat zu hören, sondern sie selbst auch zu spüren. Terracina selbst ist ein Besuch wert, da man überall in den verwinkelten Gassen antike Überreste entdecken kann und auch der Tempel des Juppiter Anxur weit über dem Ort bietet einen atemberaubend weiten Blick über die Küste. In Sperlonga besichtigten wir am 11. Tag die Tiberius-Grotte und lauschten im dortigen Museum vor der Polyphemgruppe der Szene auf der Kyklopen-Insel aus der Odyssee. Am nächsten Tag brachen wir auf in Richtung unserer letzten Unterkunft in Tarquinia und besuchten auf dem Weg dorthin die antike Stadtanlage von Ostia. An dem Verkehrsaufkommen im modernen Ostia spürte man sehr deutlich die Nähe zur Stadt Rom. Die Unterkunft in Tarquinia war dem allgemeinen Tenor nach die schönste von allen, in der wir aber leider nur eine Nacht verbrachten. Am 13. Tag besuchten wir noch die berühmte Vasensammlung im Museum von Tarquinia und ließen in Marina di Alberese den einzigen bewölkten Tag und damit auch die Exkursion an einem sehr schönen Strand ausklingen – wobei es sich drei Hartgesottene nicht nehmen ließen ein letztes Bad im aufgewühlten Meer zu nehmen – und machten uns nach einem gemeinsamen, sehr reichhaltigen Abendessen auf in Richtung Heimat.

Nach 14 Tagen Odyssee durch Italien, die den Irrfahrten des Odysseus manchmal alle Ehre machten, möchte wohl keiner auf diese Erfahrung verzichten. Viele Orte entlohnen die mühsamen Strapazen, die mit einer solchen Exkursion verbunden sind, und man bedauert fast, dass nicht doch mehr Zeit vorhanden war die zahlreichen Eindrücke zu verarbeiten.

Frauke Hutmacher