München 2008

Roms Wirkung über die Jahrtausende

München-Exkursion vom 16. – 18. Juli 2008

Am Mittwoch, den 16. Juli 2008 brachen wir, das waren Herr Stahl, Herr Page und zwölf Studierende der (Alten) Geschichte gegen neun Uhr morgens in Richtung München auf. Mit drei Autos traten wir die Reise in die Landeshauptstadt Bayerns an, um uns dort die zahlreichen altertumswissenschaftlichen Museen, Ausstellungen und insbesondere auch die reiche Rezeptionsgeschichte der Stadt zum Untersuchungs-gegenstand zu machen. Ein Vorhaben, das sich gelohnt hat.

Gegen Mittag trafen wir bei strahlendem Sonnenschein bei der Archäologischen Staatssammlung ein, wo wir wie geplant Sascha Mohr vorfanden, der zu unserer kleinen Exkursionsgruppe erst vor Ort stoßen konnte. Gemeinsam besuchten wir dann die zu dieser Zeit schon recht leere Sonderausstellung "Welterbe Limes – Roms Grenze am Main“. Die Ausstellung – beginnend mit einem didaktisch wunderbar gewählten Übergang von der „Totenwelt“ der Nekropolen und Grabinschriften zur Welt der „Lebenden“ mit ihren zahlreichen Exponaten – befasste sich schwerpunktmäßig, so schon der Titel, mit dem Leben im Imperium Romanum in der germanischen Grenzprovinz am Main. Hervorragend war der Wechsel der Ausstellungsthemen (Inschriften, Statuen, Münzfunde, Waffen, Technik, Kunst, Religion, u.v.m), die Aktualität (Themenkomplex „Die bunten Götter“) sowie der unterschiedliche Medieneinsatz (Schaubilder, Tafeln, Rekonstruktionen, Videosequenzen, u.v.m). Besonders beeindruckend war die begehbare Rekonstruktion einer Benefiziarier-Station in der Mitte der Ausstellung – ein wirkliches Highlight in Anbetracht des 70er Jahres Baus der Staatssammlung.

Der zweite Exkursionstag begann nach ausführlichem Frühstück, das wir gemeinsam mit mehreren in derselben Unterkunft abgestiegenen Schülerklassen eingenommen haben, bei nunmehr regnerischem Wetter in der Münchner Glyptothek. Durch die wohl beeindruckenste Sammlung antiker Skulpturen in der Bundesrepublik – neben den Sammlungen der Museumsinsel in Berlin – führten uns Sven Weber und Sascha Mohr mit allgemeinen Erläuterungen, sowie auch speziellen Referaten (z.B. Homer). Die Glyptothek bot dem (alt-) historischen Herz jede Menge Anlass schneller zu schlagen: Von den archaischen Großplastiken (Kouroi) bis hin zur spätantiken Kaiserportraits war alles vorhanden, darunter herausragende, weltbekannte Stücke wie „der barberinische Satyr“, die berühmte Büste Homers und der „Münchner Augustus“, die uns allesamt zum Träumen über ehemalige Größe und Schönheit inspirierten. Nach einer ausgiebigen Mittagspause schloss sich ein Besuch in der ebenfalls am Königsplatz liegenden Antikensammlung an, die eine Sonderausstellung zum Thema „starke Frauen“ präsentierte. Die hier zusammengeführte Sammlung antiker Skulpturen und besonders Vasen war wirklich höchst beeindruckend. Herausragend unter allen: Die Darstellung des Wettstreits zwischen Sappho und Alkaios (rotfigurige Vase aus Akragas, 470 v. Chr.).

Anschließend widmeten wir uns der Stadt München selbst unter besonderer Berücksichtigung der Rezeptionsgeschichte, wie sie in München wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt (wieder mit Ausnahme Berlins) anzutreffen ist. Erneut führte hier Sven Weber mit einem Referat vom Königsplatz hin zum Odeonsplatz (Feldherrenhalle, Theatinerkirche), zur Ludwigsstraße (Bayrische Staatsbibliothek) bis hin zur Ludwig-Maximilians-Universität (wo wir neben der Geschwister-Scholl-Gedenkstätte auch die wunderbaren, deutlich größer und besser ausgestatteten Hör- und Seminarsäle bestaunen konnten).

Der letzte Tag stand ganz im – immer noch regnerischen – Zeichen der Walhalla bei Regensburg. Schon bei der Anfahrt konnten wir das gewaltige Bauwerk – antike Rezeptionsgeschichte und neuere deutsche Geschichte gleichermaßen – bewundern. Das Gebäude, in Form eines dorischen Tempels erbaut, erstrahlte selbst bei schlechtem Wetter Kilometer weit in strahlendem Weiß und verkündete programmatisch seine Botschaft. Aber auch das Innenleben des gewaltigen Gebäudes (ein immerhin 68x32x16m großer zentraler Saal) wirkte harmonisch mit dem Außenbild zusammen. Aufgestellt fanden wir dort die deutschsprachigen (nicht deutsche) Größen mit Namen und soweit bekannt oder vorhanden mit Büsten: Ludwig I. von Bayern (zentral als der Bauherr), der Dichter des Nibelungenliedes, Theoderich I., Odoaker, Karl der Große, Winckelmann, Wilhelm I., Wagner, Strauss, Schubert, Schiller, Mozart, Maria Theresia, Luther, Lessing, Justus Liebig, Kopernikus, Kepler, Katharina II., Kant, Heinrich der Löwe, Gutenberg, Goethe, Gauß, Jakob Fugger, Einstein, Dürer, Brahms, Beethoven, Bismarck, Bach, Adenauer – um nur einige der zahllos erscheinenden dort verewigten Personen zu nennen. Interessant und durchaus hitzig verlief unsere Diskussion, wer denn in dieser Runde alles fehle und was die Gründe dafür sein mögen. Verwirrend neben den wertungsfreien und alle gleichwertig behandelten Büsten erschien uns allen die neben dem Eingang angebrachte – unverhältnismäßig große – Gedenktafel für „berühmte Opfer“ des Nationalsozialismus. Zweifelsohne haben Edith Stein oder Sophie Scholl ihren berechtigten Platz in der Walhalla gefunden, fragwürdig erscheint nur die Herausstellung des Nationalsozialismus als dem einzigen konkreten historischen (und für die deutsche Geschichte schließlich höchst negativen) Ereignis in der Ruhmeshalle.

Nichts desto trotz war die 3-Tages-Exkursion nach München in althistorischer, rezeptionsgeschichtlicher, städtebaulicher, kultureller und persönlicher Hinsicht ein voller Erfolg für alle Teilnehmer, zu dem neben dem wirklich interessanten Programm eben auch und besonders das Menschliche aller Exkursionsteilnehmer einen wesentlichen Beitrag leistete.