Türkei 2012

„Man sieht nur, was man weiß“

Türkeiexkursion des Fachgebiets Alte Geschichte der TU Darmstadt vom 3.-13. Oktober 2012

„Heute fährt die 18 bis nach Is-tan-bul…“ Trotz dieser berühmten Titelzeile eines mehr oder weniger bekannten Songs eines Big-Brother-(mehr-oder-weniger)Stars, der auf der Exkursion einige Male in Gänze rezitiert wurde, nahmen 19 Studierende, ihre fünf Leitwölfe und eine Gitarre am Morgen des 3. Oktober 2012 doch lieber das Flugzeug an die Metropole am Bosporus, um dann von dort nach Izmir weiterzufliegen. Gleich am Frankfurter Flughafen konnte Wissenswertes erlernt werden, so war es zum Beispiel trotz strenger Sicherheitsauflagen einem der Exkursionsteilnehmer möglich, ein Taschenmesser im Handgepäck mit in das Flugzeug zu nehmen.

Nach einem reibungslosen Flug war die Umsteigzeit am Goldenen Horn zwar knapp bemessen, aber ausreichend, um auch die kleinere Maschine noch rechtzeitig für die Weitererreise zu erreichen. Auch dieser Flug verlief ohne Turbulenzen und das auf dem Flug servierte turkey-sandwich war, gewollt oder ungewollt, ein gelungenes Wortspiel der Fluglinie.

Beim Landeanflug auf die Millionenstadt Izmir sahen wir erstmals die beeindruckenden, kaum bewaldeten Berge, die uns die nächsten 10 Tage landschaftlich fast ständig begleiten sollten. Nach der Landung lernten wir dann Senay und Hassan kennen, ohne die die Reise nicht das gewesen wäre, was sie war. Vor allem Senays Begeisterung für ihr Land und ihre Kultur vermochte uns immer wieder mitzureißen, und die allmorgendliche „Unterrichtsstunde“ über türkische Kultur, Lebensweise und Sprache war ein wichtiger erster Tagesordnungspunkt. Natürlich dürfen auch Hassans Fahrkünste im Lichte des dritten Formel-1-Weltmeistertitels für Sebastian Vettel nicht unerwähnt bleiben.

Während es dunkel wurde (tatsächlich merklich schneller, als in unseren Breiten) fuhren wir dann in unserem Tourbus von Izmir in unser erstes Hotel am Strand von Altinkum.

Der erste inhaltliche Tag (abzüglich des informativen 2-tägigen Blockseminars zur Vorbereitung im Sommer) – also der 4. Oktober – war vollständig den Ruinen der antiken Stadt Priene gewidmet. Wohlgemerkt, eigentlich des zweiten Priene, da die Stadt im 4. Jh. v. Chr. um einige Kilometer verlegt wurde. Am Hang des Mykale-Massivs gelegen, war Priene (mit Herakleia, s.u.) landschaftlich vielleicht sogar das eindrucksvollste Ziel der Reise, und bot uns teilweise einen großartigen Blick über die Mäanderebene. Der namensgebende Fluss hatte dieses Gebiet in der geologisch gesehen verschwindend kurzen Zeit seit der Antike angeschwemmt und so die Küstenlinie auf ca. 25 km Breite um bis zu 20 km weiter nach vorne geschoben.

Die archäologischen Highlights von Priene waren zum einen der Athenatempel, zum anderen das Bouleuterion und die Agora, die uns einen ersten Einblick in die Architektur des politischen Lebens gaben. Hierzu trug vor allem auch das Referat von ISABELL DEIBERT bei. Ebenso hervorzuheben ist das perfekt ausgeführte hippodamische Straßenraster, das sich mit seinen orthogonal zueinander angelegten Straßen über die landschaftlichen Gegebenheiten hinwegsetzt, sodass Priene als ein Musterbeispiel für diese Form der Stadtplanung gelten kann. Einen ersten Einblick in antike Wohnkultur konnte uns ANDREAS KUNZ in seinem Referat über die Typenhäuser von Priene geben. Diese quasi nach dem Baukastenprinzip entworfenen Häuser mit einem Wohn- und einem Wirtschaftsbereich, die durch einen Innenhof getrennt sind, nutzten durch ihre exakte Nord-Süd-Ausrichtung zudem das Sonnenlicht perfekt aus. Die Rekonstruktionszeichnung machte außerdem deutlich, dass die südlich gelegenen Wirtschaftsräume in ihrer Höhe so ausgelegt waren, dass die tiefer stehende Wintersonne trotzdem noch in den Wohnbereich hineinscheinen konnte. MURAT HAN zeigte uns anschließend das Theater von Priene als Beispiel für ein Theater nach hellenistischer Bauart, mit einem Zuschauerraum, der – in einen natürlichen Hang hineingebaut – einen Winkel von über 180° überspannt und einem separat stehenden Bühnengebäude.

Der Abend war dann der Entdeckung der stark touristisch geprägten Umgebung unseres Hotels gewidmet. Hier wurden dann erste Erfahrungen mit besseren und weniger guten Restaurationen gemacht, sowie mit „Sexy-Carlos“.

Lesen Sie hier den vollständigen Exkursionsbericht.

Robert Eydam